14.02.2019
Vor 100 Jahren

Vor 100 Jahren: Marie Juchacz hält als erste Frau eine Rede vor einem demokratisch gewählten Parlament

 

Ein besonderer Moment in der Geschichte des deutschen Parlamentarismus: Die SPD-Politikerin Marie Juchacz tritt am 19. Februar 1919 als erste Frau an das Rednerpult der deutschen Nationalversammlung im Weimarer Nationaltheater und spricht vor einem demokratisch gewählten Parlament. Mit ihrer Anrede: „Meine Herren und Damen“, löst sie zunächst laut Protokoll „Heiterkeit“ im Parlament aus.

„Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als freie und gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf“, betonte die Sozialpolitikerin zu Beginn ihrer rund vierminütigen Ansprache. Weiter sagte Marie Juchacz selbstbewusst: „Ich möchte hier feststellen, und glaube damit im Einverständnis vieler zu sprechen, dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.“ Marie Juchacz meinte damit das Wahlrecht.

Am Rednerpult stand eine emanzipierte Frau. Marie Juchacz wurde am 15. März 1879 in Landsberg an der Warthe geboren. Sie war geschieden und hatte zwei kleine Kinder. Zeit ihres Lebens hatte sich die versierte politische Kämpferin für die Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern eingesetzt. Am 13. Dezember 1919 gründete sie die Arbeiterwohlfahrt als Hilfe zur Selbsthilfe der Arbeiterschaft.

 

Foto: Friedrich-Ebert-Stiftung